Wie Firmen-Anteile im Gründer-Team verteilen? Teil 1: Angst

Nahezu alle meine Teams, die ich an der Uni begleite kennen ein unterschwelliges Unwohlsein: „wie machen wir das nur mit den Anteilen? Und zwar ohne, dass es kracht!“.

Das Kernproblem dabei ist, niemand weiß wirklich, wie sehr er/sie bzw. die anderen sich für die Firma in Zukunft einsetzen und aufopfern werden? Und eines ist klar: es wird viel Zeit, Energie, Nerven, Geld und manche persönliche private Beziehungen kosten. Es seht also einiges auf dem Spiel.

Was, wenn also jemand Anteile hat, dann aber den Bleistift fallen lässt? Dann müssen die anderen für diesen mit kämpfen, während jener nichts macht und sich ins Fäustchen lacht.

Co-Founder Verlust ist kritisch

Natürlich kann es gut sein und alle erneut beflügeln, wenn ein bestimmtes Team-Mitglied von dannen geht. Vor allem, wenn jene(r) alle anderen blockiert und der Grund für zu viele Auseinandersetzungen ist.

Für die Teams jedoch, die anfangs zusammengehalten haben und gerade das Startup deshalb überhaupt Erfolge vorweisen kann, hat es mitunter extreme Auswirkungen, wenn ein Co-Founder das Team verlässt. Vor allem, wenn jener eine relevante Rolle ausgefüllt hat.

Nicht nur, dass beim Abgang eine Arbeits-Kraft (teuer) ersetzt werden muss, die bis dato sogar vielleicht Kosten-schonend war – d.h. vielleicht gar kein Gehalt bekommen hat. Sondern die Firmen-Kultur kann schwere Schlagseite bekommen.

Warum? Der Nimbus der Firma fällt. Die Mitarbeiter, die bis dato viele Überstunden gemacht und all ihre Energie einfließen lassen haben, sehen ihr Unternehmen, das doch die Welt erobern wollte, im Niedergang, wenn selbst einer der Gründer aussteigt. Warum sollten sie dann selbst weiter über Maßen arbeiten und kämpfen?

Folge: alle arbeiten plötzlich weniger, wollen auf einmal mehr Gehalt, sind kaum mehr committed, viele verlassen verzögert die Firma,…

Deshalb sollte allen Gründern im Vorfeld bewusst sein, dass sie eine immense Verantwortung für alle anderen, incl. künftiger Mitarbeiter tragen, wenn sie Anteile besitzen. Wenn sich jemand der Founder nicht 100% committed und sich Hintertürchen offen hält, ist das ein gewaltiger Malus für die Erfolgswahrscheinlichkeit der Firma. Jener sollte, auch aus eigenem Interesse, nicht der Vater oder die Mutter des Babys, Euer Startup, sein!

Angst der Gründer

Allein die Vorstellung, die (falschen) Co-Founder falsch zu kompensieren, schwächt die Leistungs-Fähigkeit mancher Co-Founder oft dermaßen, dass jene einen enormen Energie-Abfall erleben. So kann vorzeitig auch die vielversprechendste Firma den Bach runter gehen, wenn sich solche und ähnliche negative Gefühle weiter auf akkumulieren. Die Luft ist dann schnell raus, noch bevor überhaupt der Product-Market-Fit gefunden wird.    

Deshalb schwingt bei manchen Teams immer mit, bei der Anteils-Eignerschaft keine dummen Fehler zu machen. Das ist oft berechtigt, denn es rächt später oft sehr. Es ist wie bei einer Ehe, die geschieden wird. Am Ende gibt es nicht selten nur Verlierer. Da wünschte sich mancher rückwirkend auch einen (besseren) Ehe-Vertrag.

Die Folge: das Thema Anteile wird intern ungern angesprochen und sehr gerne auf später verschoben. Nach dem Motto:

„solange noch nichts erlegt wurde, brauchen wir das Fell auch nicht zu verteilen.“

Das ist menschlich. Schon allein der Gedanke daran, es irgendwann mal knallhart auf den Tisch zu bringen, erzeugt bei den meisten viele negative Gefühle. Also erstmals keine schlafenden Hunde wecken?

Wann ist der Zeitpunkt für das Gründer-Team die Anteile zu klären?

JETZT! Ohne weiteren Aufschub!

Die Gründe für die baldige Aufnahme der Diskussion um Anteile sind folgende:

  • Es wird nicht selten noch viel schwerer eine spätere Verteilung ohne Eklat hinzubekommen, wenn der Erfolg oder zumindest die Aussicht darauf da ist.
  • Denn dann verstärkt sich die Emotion, dass man selbst keinen schlechten Deal machen darf.
  • So kann es vorkommen, dass jeder nur noch das Maximale rausholen will – Rücksicht und Realtitäts-Bewußtsein ob des eigenen Beitrags für die Firma kommen dann gern nur noch an hinterer Stelle.
  • Allein, dass etwas so Wichtiges wie die Anteile im Team ungeklärt ist, erzeugt die erwähnten negativen Emotionen bei allen Beteiligten. Jene können sich bei einzelnen Mitgliedern ungut aufschaukeln.
  • Das wiederum führt zu den erwähnten Motivations-Problemen und Leistungs-Einbrüchen auch der Mitarbeiter. Für jedes Startup ist dies wahres Gift in der Anfangsphase, um überhaupt abzuheben.
  • Rein formell kann es auch kritisch werden, wenn durch die Verschleppung der Anteils-Klärung die Firma zu spät gegründet wird, es jedoch schon Kunden oder Einnahmen gibt.
  • Das kann Steuer- und Gesellschafts-rechtlich schnell mal komplex werden und einem auf die Füße fallen.

Gilt das für jedes Team?

Natürlich gibt es Co-Founder, die einen natürlichen, optimalen Fit haben – menschlich, mental und inhaltlich. Bei Geschwister-Gründungen ist dies im Übrigen sehr oft der Fall, da man eher weiß was man tut, sich oft perfekt kennt und gut einschätzen kann.

Manches Team läuft von Anfang an wie eine geschmierte Maschine. Vielleicht ist das auch in Deinem Team so. Es schadet jedoch in keinem Fall und es wäre in nicht wenigen Fällen wirklich töricht, das Thema Anteile auf die lange Bank zu schieben. Vor allem, falls sich später dann doch herausstellen sollte, dass das Team kein Dream-Team war.

Im 2. Teil zur Anteilsverteilung erzähle ich Euch von der Todsünde bei Anteilen, was Firmenanteile überhaupt sind und gebe ein Beispiel für eine (klassische) Shareholder-Struktur.

Bleib dran & lebe,

Chris

1 Kommentar zu „Wie Firmen-Anteile im Gründer-Team verteilen? Teil 1: Angst“

  1. Wie war Deine Erfahrung mit der Anteils-Verteilung im Team? Lief alles glatt, wann kam das Thema auf den Tisch, wann wurde es geklärt? War es nachhaltig?

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