Wenn einen Gründer der Wettbewerb plagt

Gleich vorne weg: Konkurrenz ist für die meisten Startups anfangs überschätzt! Schließlich gilt es, erstmal überhaupt ein Setup hinzubekommen mit dem man Geld verdient, um vom Boden abzuheben.

Nur für Pitchdecks und Gründer-Wettbewerbe ist das Wissen um die Konkurrenz relevant.

Grund ist, man möchte auf der Investoren-Seite doch gerne wissen, ob das Gründer-Team seine Hausaufgaben gemacht hat und kundig ist, wer sich da draußen sonst noch so kreucht und fleucht. Paradoxerweise lieben Geldgeber direkte, vergleichbare Wettbewerber. Deren Vorhandensein signalisiert, dass es wohl einen Markt für das Produkt oder Dienstleistung gibt. Zu viel Competition soll es dann aber bitte doch nicht sein. Leider ein schmaler Grat.

Ausnahme Copy-Cats

Nachahmer hingegen, die das gleiche erfolgreiche Geschäftsmodell von irgendwoher einfach klauen und nachmachen, unterliegen selbstredend einem starken Wettbewerbsdruck.

Wer kein Copy-Cat gründet, für den ist der Wettbewerb anfangs vernachlässigbar.

Ob es das Original „Zappos“ ist, welches Zalando einfach kopiert und in Deutschland lokalisiert hat oder ein fünftes Cafe um die Ecke – sie alle springen auf Bewährtes auf ohne in tausenden Stunden Kunden oder Märkte verstanden haben zu müssen.

Das Risiko von Trittbrettfahrern ist daher 100x geringer als bei z.B. einem Deep-Tech-Startup. Daher gerne der Investor´s Darling – zumindest für die sehr sicherheitsbewussten deutschen Geldgeber.

Die Downside: kopierende Startups kennen meistens sehr früh einen Preis-Wettbewerb, den ein innovatives Startups erstmal nicht beschäftigen muss – weiß man doch gar nicht, was am Ende die Kunden bezahlen werden und wie viel.

Copy-Cats haben jedoch teilweise ihre Berechtigung. Ein Business Modell aus USA nach Deutschland zu transferieren ist keine einfache Sache. Denn es braucht viel Prozess, erfahrene Leute und enorm viel Geld. Daher handelt es sich bei dieser Spielart eines Startups eher um eine Berater- und Management-Herausforderung als um ein echtes Innovations-Startup, das die Welt mit neuen Technologien besser machen möchte. Dennoch liefern sie auch Mehrwerte für Kunden, ob eben für die Region oder weil viele junge Mitarbeiter darin lernen, wie der Aufbau einer Firma funktionieren kann, um es mit diesem Rüstzeug später selbst als Gründer zu versuchen.

Letztendlich ist es aber meines Erachtens zweischneidig, weil die Hoffnung von Copy Cats immer darin besteht, dass sie einmal von der größeren US-Firma gekauft werden, die eben nur zu langsam war, den hiesigen Markt aufzubauen. Siehe alando von den Samwers, das dann von ebay gekauft wurde.

Was machen, wenn Du Wettbewerber hast?

Wer sich und sein Team mental gut aufgestellt hat, kann als noch nicht skaliertes Startup in relativ kurzer Zeit, fast jedem Wettbewerber einfach ausweichen, den Gegenangriff starten oder achtsam abwarten, was passiert.

Den meisten Gründern, die noch keine Deals durch den Konkurrenten verloren haben oder nicht in Ausschreibungen stehen, empfehle ich tendenziell auszuweichen oder zumindest zu beobachten, ob es gefährlich werden könnte. Die direkte Attacke kostet zu viel Nerven, Energie und vor allem Geld, das Gründer in der Frühphase nicht haben.

Die Ausweich-Strategie umfasst folgenden Bereiche, die in gegebener Reihenfolge anzusehen sind, wenn man sich vom Wettbewerber unterscheiden möchte:
  • Du änderst die Zielgruppe, gehst noch mehr in die Nische. Dann noch mehr darauf fokussieren, diese happy zu machen, wie es kein anderer macht, will oder kann. Beispiel: statt Frontend-Software-Entwickler als Zielgruppe, nur noch iOS Developer;
  • Du änderst den Value für die Zielgruppe. Also bestimmte Features und Mehrwerte, die Du besser umsetzen kannst als Deine Wettbewerber, weil Du einen nicht leicht kopierbaren Informations- oder Kompetenz-Vorteil hast;
  • Du änderst Dein Business Modell. Z.B. vom Verkauf eines Produktes hin zur Vermietung.

Wichtig, wenn Du einem Wettbewerber ausweichen willst, sollte sich jener strukturell viel schwerer tun diesen Move zeitnah mit zu machen. Infolge hängst Du Dich (mit Deinem Team) richtig rein, nutzt Deinen Unfair-Advantage (z.B. ein überdurchschnittlich schlagkräftiges Execution-Team) und bald schon hast Du keinen unmittelbaren Wettbewerber mehr. Entscheidend ist schlussendlich, keine Angst zu haben. Denn sie lähmt die Kreativität und Energie, sich durchzusetzen.

Also bleib easy, wenn Du von einem anderen Startup hörst, das vermeintlich das Gleiche macht!

Später, wenn Dein Geschäft floriert und daher auch Wettbewerber auf den Plan treten, hast Du ganz andere Mittel dem zu begegnen. Bleib achtsam, aber zerbrich Dir nicht den Kopf über andere.

Und sieh es mal so: wenn Dich jemand kopiert, dann ist das eher eine Bestätigung und Ehrerbietung, dass Du rockst!

Konkurrenz muss man sich erst einmal verdienen!

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