Wie viel Freiheit verträgst Du?

Viele wollen sich selbstständig machen oder gründen, weil sie selbstbestimmt arbeiten und Freiheit spüren wollen. Nun ist es so eine Sache mit der Freiheit. Wie zu viel von etwas genauso zerstörerisch sein kann wie auch der Mangel, so ist dies auch hier der Fall.

Wer sich eingesperrt fühlt als Angestellter, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass dies als Gründer nicht so sein könnte. Mancher fühlt sich gar noch unfreier als zuvor.

Es ist zu akzeptieren, dass wir immer abhängig von etwas oder jemanden sind. Die Frage ist lediglich, welche Abhängigkeit man von wem in welchem Ausmaße erträgt!

Ob nun Kunden, Mitarbeiter, sich selbst gegenüber,… man fühlt sich als Gründer immer irgendwie verpflichtet. Wer dieses Gefühl nicht hat, macht vermutlich auch nichts! Mit der Folge, dass man zwar nicht neu-abhängig werden kann, dafür aber anderen, alten Zwängen unkontrolliert weiter ausgeliefert ist, von denen man sich gerne lösen würde.

Freiheit vs. Sicherheit

Wie heißt es so schön,

„Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, wird am Ende beides verlieren!“

Dennoch sind alle Menschen verschieden und brauchen eine individuelle Balance aus beiden.

Sich selbst dafür zu geißeln, nicht genug für die maximale Freiheit getan zu haben, ist ein gefährlicher Energie-Räuber.

D.h. wer sich selber oft Vorwürfe bzw. schlecht macht, weil man eben mehr aus sich hätte machen sollen, wird Energie verlieren, um überhaupt etwas zu ändern. Daher mein Appell:

Bemühe Dich um Mut zur Freiheit, mehr als das Bemühen aber auch nicht!

Es braucht nicht immer viel Freiheit. So wie die meisten auch gar nicht so viel Sicherheit benötigen, wie sie denken. Die Mitte, die Balance gilt es herauszufinden und stets mit sich und der Welt neu auszuhandeln.

Freiheits-Grade selbst herausfinden – ein Beispiel

Man stelle sich eine Landstraße vor. 100kmh sind erlaubt. Jede Fahrspur ist etwas breiter als 3m. Die Breite der Straße ist ein gesellschaftlich erlernter Kompromiss, mit dem Ziel beim Autofahren den geringsten Stress-Level zu erzeugen, dabei gleichzeitig Sicherheit und Vorankommen zu optimieren. Auf diese ausgehandelte Lösung – die nicht jedermanns Sache ist, vor allem wenn man gerne schneller fährt – greifen wir stets zurück. Und zwar ohne uns Gedanken darüber zu machen, wie gut beispielsweise die Straßenbreite für die Menschen und den Einzelnen gewählt wurde.

Gemäß dem eigenen Alter, Auto, Fahrvermögen, Übung, Verkehr, Stimmung, etc. fährt man also meist zwischen 60-120km auf der Straße. Jeder der genannten Faktoren stellt einen Freiheits-Grad dar, die miteinander in Beziehung stehen. Beispielsweise könnte man 100 fahren, aber das Verkehrsaufkommen lässt es nicht zu.

Nun ein Gedanken-Experiment: Man fährt nun nicht auf der Landstraße oder der Autobahn, sondern auf einer großen Flugzeug-Landebahn. Auf den ersten Blick hat man links und rechts mehr Platz, empfindet dies als zusätzliche Freiheit. Schließlich kann man nun nicht so leicht in den Graben fahren.

Jetzt wird es interessant: nun hast Du zwar die Möglichkeit schneller zu fahren oder sogar links und rechts auszubrechen. Gleichzeitig steigt mit der Geschwindigkeit jedoch Dein Stress-Level – eine falsche Lenker-Bewegung bei 250kmh kann das Ende bedeuten. Wenn Du nun eine Strecke von 50km auf der Landebahn fahren solltest, wirst Du bemerken, dass ohne die beengende Begrenzung links und rechts ein deutlicher Stress-Faktor hinzukommt: es fällt ungemein schwer, geradeaus zu fahren. Von oben betrachtet fährt man Schlangenlinien und braucht effektiv weit mehr Wegstrecke als in engeren Bahnen auf der Landstraße.

Die Moral von der Geschicht, eine optimale Freiheit gibt es nicht!

So benötigt der eine ein engeres Korsett, um seine Freiheit zu spüren und um sich ausleben zu können. Ein anderer braucht ein anderes Level, auch weil er schneller oder langsamer fahren möchte, usw. Wiederum ändert sich dies im Leben durch mentale und physische Veränderungen, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens macht. Sonntagsfahrer, die mit 60khm die Straße entlang tuckeln sind selten 18 Jahre alt. Und fast jeder wird mit zunehmenden Alter einfach vorsichtiger und langsamer, weil die Reaktions-Geschwindigkeit oder das Sehvermögen abnehmen bzw. man schwere Unfälle gesehen oder erfahren hat.

Im Alter können sich beispielsweise auch neue Freiheitsgrade ergeben, die sogar mir weniger Sicherheit einhergehen. Ein Beispiel sind Senioren, die es sich leisten können, nicht die Meinung des politischen Mainstreams zu vertreten, aus Angst im Job Nachteile wegen der eigenen Gesinnung zu erleiden. Es muss also nicht zwangsläufig mit dem Alter oder sonstigen Entwicklung eine Reduktion der Freiheit einhergehen, sondern kann genau das Gegenteil eröffnen.

Grenzen ausloten

Für den Gründer mag die anfängliche Freiheit (Flugzeug-Landebahn) als Segen erscheinen. Nach einer Weile des zu schnellen Fahrens und des Schlingerkurses auf zu breiter Fahrbahn geht jedoch vor Ziel-Erreichung der Sprit aus.

Es gilt daher, seinen individuellen Freiheits-Anspruch immer wieder mit dem eigenen WARUM und Ziel auszuloten.

Wer gründet um frei zu sein, sollte sich nicht selbst betrügen. Dennoch kann in der richtigen Parametrierung der Gründung die Freiheit des Founders optimiert werden, da jene weitestgehend in der eigenen Hand liegt. Es braucht dazu die richtige Geisteshaltung, wie Freiheit und Sicherheit zusammenspielen. Außerdem das anwendbare Know-how um herauszufinden, was einem in welchen Phasen gut tut und was nicht.

Such Dir erfahrene Menschen

Dies geschieht entweder durch stetes Ausloten der eigenen Grenzen, um dazwischen die eigene Mitte zu finden. Oder-und durch Begleitung in Form von weisen (Groß-)Eltern, Mentoren, Coaches,… eben Menschen, die mind. 20 Jahre (!) mehr Erfahrung haben als man selbst. Suche Dir solche Leute, die in bestimmten Bereichen (nicht allen!) diese Weisheit aufweisen und Dir gerne helfen wollen. Wichtig, es reicht, wenn diese Menschen in einer Sache als Idol wirken können – lass sie das auch spüren -, selbst wenn sie Dir in anderen Bereichen nicht als solche dienen mögen und verzeihe ihnen das!

Sammle sehr viel ältere Menschen um Dich herum, die in ihrem Leben in verschiedenen Metiers Grenzen ausgelotet haben und Dir gerne in Deiner Entwicklung helfen wollen. Vergiss dabei nie, auch – in Vorleistung gehend – ihre Bedürfnisse zu achten und zu bedienen! Deine Abhängigkeit von diesen Menschen und ihrer Lebenserfahrung erschafft Dir Deine Freiheit!

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